Über eines der mächtigsten Gesetzmäßigkeiten dieser Welt wusste bereits der römische Kaiser Mark Aurel im zweiten Jahrhundert Bescheid: Der Mensch ist Schöpfer, Schöpfer seiner Wahrnehmung, Schöpfer seiner eigenen “Realität”. “Unser Leben ist das, wozu es unsere Gedanken machen,” heißt es wörtlich von ihm. 

Wenn das Leben das ist, was wir über es denken, was bestimmt dann unser Leben? Was bedeutet “Realität”? Gibt es Dinge, die nur existieren weil wir sie uns (er)denken? Gibt es Dinge, die wir nicht wahrnehmen, weil sie für uns nicht denkbar sind?

Die Ureinwohner Amerikas waren 1492 laut Berichten nicht im Stande gewesen, die Schiffe am Horizont zu erblicken. Sie konnten es nicht, da für Sie derartige Gefährte am Wasser nicht DENKbar waren. In ihrer “Realität” gab es nur den Ozean.  Und es war nur Ozean.

Unsere Sinneswahrnehmung, was wir hören, schmecken, riechen, tasten, sehen, bestimmt unsere “Realität”. Und unsere Gedanken bestimmen unsere Wahrnehmung. Deshalb ist die Welt alles das, was du über sie denkst:

Denkst du, dieser Text sei unsinnig, dann wird es auch keinen Sinn für dich machen, weiter zu lesen.
Gehst du in die Arbeit und denkst, dass alle schlecht über dich reden, dann reden alle schlecht über dich, weil du es so kreierst. Weil du der Schöpfer deiner eigenen “Realität” bist.
Hörst du mit dem Rauchen auf und denkst dabei an nichts als an die verdammte Nikotinsucht, dann wirst du auch weiterrauchen. Du entscheidest. Du denkst, du seist süchtig? Dann bist du es auch. Die Sucht bestimmt all deine Gedanken? Falsch: Durch deine Gedanken wird die Sucht erst erschaffen.

Du denkst du seist krank? Dann bist du bereits krank.
Du denkst du seist schön? Dann ist dies “Realität”.
Du denkst du seist arm, du denkst du seist reich? Sei was immer du möchtest, in der grenzenlosen Welt der Gedanken.
Du empfindest Liebe für dein Leben? Dann wird dir das Leben auch mit Liebe entgegnen!
Du fürchtest dich vor allem?  Dann wird sich dein Leben nach deinen Gedanken, nämlich deiner Angst, ausrichten.
Alles was in deinem Kopf real wirkt kommt nicht an deinen Gedanken vorbei. Du entscheidest, denn in deiner “Realität” bist du der Schöpfer.

Gedanken sind, wie alles im Leben, nicht statisch, sie fließen. Was du gestern schlecht gedacht hast muss heute nicht mehr gültig sein. Das hier und jetzt ist entscheidend. Es ist niemals zu spät und du kannst jederzeit damit beginnen, deinen Gedankenfluss neu zu ordnen und die positiven Kräfte, nämlich die Liebe in deinem Leben, zu stärken.

Darum gibt es diese alte Weisheit aus dem Talmud:

Achte stets auf deine Gedanken,
denn sie werden zu deinen Worten.
Achte auf deine Worte,
sie werden zu deinen Handlungen.
Achte auf deine  Handlungen,
denn sie werden zu deinen Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten,
sie werden zu deinem Charakter.
Achte auf deinen Charakter,
denn er bestimmt dein Schicksal.

Wir werden unsere Gedanken in diesem Blog festhalten und weitergeben. Herzlich Willkommen in der Welt, die das ist, was wir von ihr denken…

In einem bestimmten Moment unserer Existenz verlieren wir die Macht über unser Leben, und es wird dann vom Schicksal gelenkt. Das ist die größte Lüge des Lebens.
“Der Alchimist”, Paulo Coelho

In der Tat ist es die Eigenart eines jeden Menschen, Verantwortung abzuschieben. Wir erleben es jeden Tag: Wenn es heißt, das Wetter sei schuld, dass ich heute mies gelaunt bin. Wenn es heißt, die Finanzkrise sei schuld, dass ich jetzt arbeitslos bin. Wenn es heißt, die Kindheit sei schuld, dass ich heute ein Verbrecher bin. Wenn es heißt, die Medien seien schuld, dass ich heute völlig verblödet bin. Doch schuldig machen bedeutet urteilen: Wenn der Mensch Verantwortung abschiebt, urteilt er über richtig, falsch, recht und unrecht.

Während Menschen dazu neigen, ihre Probleme und Sorgen der Außenwelt zuzuschreiben, krönen sie sich in der Regel um so schneller mit Erfolg und ernten die Lorbeeren, die sie sich natürlich selbst verdient haben. Andererseits erscheint es mindestens genau so menschlich, Antworten auf alle Fragen, Hilfe für alle Lebenslagen, Lösungen für alle Probleme, nicht bei uns selbst, sondern stets in der Außenwelt zu suchen. Die Außenwelt, die wir im einen Moment so lautstark verurteilten, wird im nächsten Moment zum Allheilmittel menschlichen Unvermögens.

Ist das nicht kontrovers? Verantwortungslosigkeit und Achtsamkeit bilden somit die zweite der drei menschlichen Ur-Kontroversen.

Wer Verantwortung abschiebt, macht sich selbst zu einem machtlosen Wesen und nimmt damit die Rolle des Opfers ein. Das erscheint offenbar ungeheuer praktisch, denn Opfer spielen in unserer Gesellschaft eine besonders wesentliche Rolle. Sie erlangen (mediale) Aufmerksamkeit. Sie sind gefallene Helden. Oft finden sie Bewunderung, da sie ihre Rolle als Opfer so tapfer tragen. Und doch sind sie es, die das Schicksal beklagen, weil es sie scheitern lässt. Sie sind es, die sich zu machtlosen Wesen degradieren. Auch hier spielt das menschliche Abschieben von Verantwortung eine tragende Rolle: Anstatt unser Inneres selbst zu betrachten und Verantwortung zu übernehmen, bemitleiden wir lieber die machtlosen “Opfer-Menschen” im Fernsehen, denen es doch so viel dreckiger geht, als uns selbst. Indem wir uns mit ihnen vergleichen, werten wir uns selbst auf, spielen folglich jedoch unsere eigenen Probleme herunter. Somit ignorieren wir gerne die Selbstverantwortung  über unser Leben und werden dadurch schließlich selbst zum Opfer. Zum Opfer unserer eigenen Gedanken.

Sind all unsere Entscheidungen gebunden an das Schicksal?

Sind all unsere Entscheidungen gebunden an das Schicksal?

Wenn die Welt alles das ist, was du über sie denkst, dann bist du ausgestattet mit freiem Willen, wenn du das so willst. Freier Wille bedeutet, dass alles, was für dich denkbar ist, genauso möglich ist, weil du der Schöpfer deiner “Realität” bist. Es bedeutet aber auch totale Verantwortung für alle Dinge, die dir in deinem Leben widerfahren – ob durch dich oder durch dein Resonanzfeld. Es ist dein Wille, der alles möglich macht. Es ist dein Wille, der entscheidet, mächtig oder ohnmächtig zu sein. Es ist dein Wille, der dazu führt, dass es ist, was es ist. Denn jeder Mensch ist zu jedem Zeitpunkt seines Lebens seines eigenen Schicksals Schmied. Die Zukunft erscheint aus dieser Perspektive voller Eigenverantwortung und weder vorgeschrieben noch unabänderlich.

Der Begriff der Achtsamkeit bedeutet jedoch mehr als nur im Bewusstsein eines freien Willens zu leben. Wo der verantwortungslose Mensch wegsieht, übernimmt der achtsame Mensch seinem Resonanzfeld gegenüber Verantwortung. Wo der verantwortungslose Mensch die Probleme seiner Mitmenschen in den Vordergrund stellt, begegnet der achtsame Mensch seinen Mitmenschen mit Nächstenliebe und Toleranz. Wo der verantwortungslose Mensch als ein machtloses Wesen in seinem Scheitern die Hoffnungslosigkeit fürchtet, sieht der achtsame Mensch das Scheitern als Chance.

Achtsamkeit bedeutet folglich eine Steigerung von Bewusstsein in Richtung Empathie. Es ist die wertvolle Fähigkeit, über das Individuum hinaus auch seine soziale Umwelt in seine individuelle Wahrnehmungs- und Realitätsdeutung einzubeziehen und diese wechselseitig miteinander interagierend neue Horizonte eröffnen zu lassen. Wer achtsam durch sein Leben geht, begegnet seinen Problemen mit Selbstverantwortung und schließt auch sein Resonanzfeld in diese Lebenshaltung ein. Achtsamkeit bedeutet das Verschmelzen des Prinzips des freien Willens, der Toleranz und der Liebe.

Wenn die Welt alles das ist, was du über sie denkst, ist es dann auch denkbar für dich, dass die Welt deines Gegenübers eine andere ist, als die deine? Die Antwort auf diese Frage erscheint gleichzeitig als die menschliche Ur-Kontroverse: Toleranz Vs Radikalität.

Seit es Menschen gibt, werden sie von einem zentralen Problem begleitet: dem Urteilen über andere Menschen, über Situationen und über sich selbst. Dein Auftreten ist schlecht! Das hast du falsch gemacht! Das ist deine Schuld! Dies ist ein Kampf gegen die Achse des Bösen! Das ist die Wahrheit! Du bist Ausländer, dein Glaube ist der falsche! Mein Gott ist der einzig wahrhaftige!

In der Bibel steht, dass Adam und Eva im Paradies vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen haben, worauf sie von Gott auf die Erde verbannt und sogleich mit der Erbsünde bestraft wurden. Versteht man diese Vertreibung aus dem Paradies als Metapher, stößt man auf die Erkenntnis, dass das Paradies kein Ort irgendwo am Himmel ist, sondern hier auf Erden sein kann, in unseren Gedanken. Das Paradies ist ein Geisteszustand, der als Existenzform verstanden werden kann, die weder Gut noch Böse kennt: die Haltung des Nicht-(Ver-)Urteilens. Die Erkenntnis, es gäbe das Gute und das Böse vertreibt den Menschen aus dem Paradies. Das Urteilen an sich, also das Unterscheiden zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch, Wahr und Unwahr, kann also ohne weiteres als die Erbsünde selbst verstanden werden, die uns daran hindert, das Paradies – den paradiesischen Geisteszustand – zu erreichen. Nicht nach dem Tod und erst im Himmel, sondern mitten im Leben – hier und jetzt. 

Die Vertreibung aus den Paradies

Die Vertreibung aus dem Paradies ist möglicherweise nur eine Metapher für die menschliche Eigenheit, zwischen Gut und Böse zu urteilen. In diesem Sinne wäre das Paradies kein Ort, der erst nach dem Tod erreichbar ist, sondern ein Geisteszustand, der nicht zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch, Wahr und Unwahr unterscheidet.

Doch wie sieht es in der “Realität” aus? Was lehrt uns die Geschichte der Menschheit? Die Welt ist voll von (internationalen) Missverständnissen, Glaubenskonflikten, Terroranschlägen, Gewalt und Hass. Man muss gar keine Massenmedien konsumieren oder in die Geschichte zurückblicken, um diese Erkenntnis zu erfahren. Unabhängig von Zeit und Raum sind häusliche Gewalt, Mobbing am Arbeitsplatz oder in der Schule, Ausländer, die von einer Gruppe von “Fremden-Hassern” verprügelt werden (oder umgekehrt), omnipräsent. All diese Konflikte lassen sich auf eine einzelne menschliche Eigenschaft zurückführen: die Radikalität.

Der radikale Mensch ist unfähig zu reflektieren, relativieren und zu hinterfragen. Er urteilt im Sinne des Dogmas, lebt selbst nach dem ihm am günstigsten erscheinenden Paradigma. Er spricht von der einzigen Wahrheit. Er glaubt an die Gruppe, die Gemeinschaft, an den Staat. Er ist patriotisch und sicher, das Rechte zu tun. Die Radikalität des Menschen führt früher oder später zum Unglück, für sich selbst und für alle Menschen seines Resonanzfeldes. Denn die Welt in der wir Menschen leben ist nicht die Gruppe, nicht die Gemeinschaft, nicht der Staat, die einzige Wahrheit, sondern die Gesamtheit aller Menschen und der daraus resultierende Wertepluralismus aller Gruppen, aller Gemeinschaften, aller Staaten.

Toleranz bedeutet, dass der tolerante Mensch, trotz der Tatsache mit seinem Gegenüber nicht derselben Meinung zu sein (was ja im Sinne einer wertepluralistischen Welt sogar als essentiell angesehen werden kann), die fremde Überzeugung als zweite Wahrheit duldet und respektiert. Und so ist es eines jeden Menschen Auftrag, diese Pluralität der Werte und Normen zu akzeptieren, zu fördern und weiterzuentwickeln.

“Nicht steht es mir zu, über eines anderen Leben zu urteilen!” spricht Siddhartha zum Buddha im gleichnamigen Roman von Hermann Hesse. Der tolerante Mensch urteilt nicht, hält nicht an Paradigmen fest. Er glaubt nicht an Dogmen. Er glaubt nicht an die Wissenschaft. Nicht an die Lehre.  Nicht an die Politik. Nicht an die Religion. Nicht an das Heimatland. Nicht an das Böse. Nicht an das Gute. Er spricht nicht von „Der Wahrheit“,  sondern glaubt an den individuellen Blickwinkel, der einer von Milliarden auf dieser Welt ist. Er hält nicht am Weg der Wege fest, sondern glaubt an die Wege, die seine Seele geht. Sein Gebet ist die Vielfalt der Erkenntnis. Sein Glaube das endlose Meer der Wahrheiten. Alles ist was es ist.

Die ganze Welt ist voller Kontraste. Es ist die Dunkelheit, die das Licht zum Licht macht. Und es ist das Licht, das die Dunkelheit zur Dunkelheit werden lässt. Ohne Dunkelheit wäre alles Licht und wir würden es nicht erkennen, geschweige denn fähig sein, diesem Wort Bedeutung zu verleihen. Was ist Dunkelheit, wenn alles Dunkelheit ist? Was ist Licht, wenn alles Licht ist? Wo es Dunkelheit gibt, da gibt es auch Licht und wo es Licht gibt, da gibt es auch Dunkelheit. Denn Licht wirft Schatten, und aus Schatten geht Licht hervor: Kontrast.

Dieses Phänomen bezeichnet man als Komplementarität. Licht und Dunkelheit, scheinbar widersprüchlich zueinander, ergänzen sich gegenseitig perfekt. Sie sind unlösbar voneinander, denn sie brauchen einander um zu existieren.

Es wird zwischen zwei Arten von Kontrasten unterschieden: Den Polaritäten und den Kontroversen. Polaritäten sind Dualismen, die nur durch ihre extreme Kontrasteigenschaft, also im Sinne von gegensätzlicher Polarität, von Bedeutung sind. Es gibt nur schwarz oder weiß, keinen Grauton. Die Frau ist Frau, kein bisschen Mann. Der Mann ist Mann, kein bisschen Frau. Links ist Links, kein bisschen Rechts. Und Rechts ist Rechts, kein bisschen Links. Aus Sicht der Philosophie der Polaritäten wird jedoch nicht über gut oder schlecht geurteilt, sie besagt lediglich, dass jeder Aspekt dieser Welt wiederum das Gegenstück (den Kontrast) seiner selbst benötigt um überhaupt existieren zu können. 

Im Gegensatz dazu spricht man bei Kontroversen von ewig andauernden Konflikten, deren Extrempunkte angestrebt werden können, jedoch niemals vollkommen erreichbar sind.  Die Pole dienen lediglich zur Orientierung, wenn sie auch, wie für die Polaritäten, den Gegensatz als perfekte Ergänzung und Existenzgrundlage darstellen. Der Weg ist das Ziel. Kontroversen sind daher unsere “Freunde”, denn sie lassen das Leben fließen und sorgen für das Wachsen im Menschen durch Erfahrung. 

Kontroversen

Die menschlichen Ur-Kontroversen

Die menschlichen Ur-Kontroversen, Radikalität (radicalness) – Toleranz (tolerance), Verantwortungslosigkeit (irresponsibility) – Achtsamkeit (attentiveness) und Angst (fear) – Liebe (love), begleiten den Menschen seit jeher: Sie spalten ihn, fordern ihn und verbinden ihn. Seit es unsere Spezies gibt sind diese Kontroversen omnipräsent und der Auslöser für alle Konflikte, Streitigkeiten und sämtliche Kriege, die jemals stattgefunden haben. 

In nächster Zeit werden hier drei weitere Artikel veröffentlicht, die sich mit den drei menschlichen Ur-Kontroversen beschäftigen. Keiner dieser Artikel soll (ver)urteilen. Nichts von dem was hier geschrieben steht ist absolut gültig oder erhebt Anspruch auf “Wahrheitsgehalt”. Alles ist Lüge, sagt die Skepsis. Alles ist die Wahrheit, sagt die Naivität. Es ist was es ist, sagt die Liebe. Es ist ein neuer Blickwinkel. Eine Landkarte, die deiner Seele möglicherweise zur Orientierung dient: Wo stehst du im Leben?

Bist du ein Mensch der Toleranz? Bist du ein Mensch voller (Vor)Urteile? Bist du ein Mensch der Verantwortung für sein Denken und Handeln übernimmt? Bist du das Opfer aller anderen? Bist du ein Mensch voller Liebe, voller Vertrauen, voller Achtsamkeit? Oder fürchtest du dich vor Globalisierung, Finanzkrisen oder neuen Weltordnungen?

Sei was immer du willst, in der grenzenlosen Welt deiner Gedanken…

Sterbende AIDS-Kranke, blutverschmierte Uniformen, unzählige Gräber, gebrandmarkte Haut, ein mit Blut und Schleim verschmiertes Neugeborenes, zum Tode verurteilte Sträflinge, behinderte Menschen, schwarz-weiß Kontraste und ein kleines grünes Rechteck mit weißer Schrift. Wer kennt sie nicht, die aufwühlenden Werbekampagnen von Oliviero Toscani für United Colors of Benetton, die weltweit die Gemüter erhitzten?

Keine andere Marke liefert derart umstrittene Sujets und sorgte für weltweite Kontroversen, wie der italienische Kleiderkonzern. Mit Hilfe des geistigen Vaters der Schockwerbung, Oliviero Toscani, schaffte es das Unternehmen Mitte der 1990er Jahre durch Provokation, Tabu-Themen und Aufklärungsarbeit in den Werbekampagnen zu einer der fünf bekanntesten Marken der Welt zu avancieren.

Die Neugier in der Traumwelt

In der Benetton-Werbung wird im Regelfall auf die Visualisierung des tatsächlich beworbenen Produktes verzichtet. Lediglich das Konzern-Logo macht den Rezipienten auf das Kleidungsunternehmen aufmerksam. Im ursprünglichen Sinne sollte der Bekanntheitsgrad der Marke von einer der menschlichsten aller menschlichen Eigenschaften gefördert werden – der Neugier; das beworbenen Produkt ist zwar vorhanden, jedoch nicht unmittelbar sichtbar und dadurch geheimnisvoll.

Ein riskantes Vorgehen des Konzerns, wenn man bedenkt, dass seine Werbeplakate statt einer Traumwelt mit der unzensierten Wahrheit des rauen Alltags auf sich aufmerksam machen. Schockwerbung wird individuell wahrgenommen und erzeugt beim Betrachter starke Emotionen wie Ablehnung, Entsetzen, Mitleid oder Hass. Kein Unternehmen der Welt möchte mit solchen Attributen assoziiert werden. Aber warum war dieser Werbeansatz für Benetton ein solch sinnvolles Unterfangen?

Träumen, nicht Denken

Viele von Toscanis Werken wurden in der Bevölkerung mit Begeisterung aufgenommen. Insbesondere die Arbeiten zum Thema Rassendiskriminierung stießen auf Zustimmung und wurden international zahlreich ausgezeichnet. Doch so laut der Jubel auch war, mindestens genauso heftig war die Kritik an Oliviero Toscani. Ihm wurde vorgeworfen, er würde mit Not, Elend, Tod und Sünde anderer Pullover verkaufen. Seine Werke wurden zensiert, stießen oft auf Ablehnung und Entrüstung in der Bevölkerung und führten sogar zu einer politischen Werberegulierung und Ausgrenzung.

Auch heute regen Benettons Werbekampagnen noch zum Denken an und lassen die Betrachter nicht in Illusionen schweben, so wie es die konventionelle Werbung macht. Trotzdem schreibt Toscani in seinem Werk „Die Werbung ist ein lächelndes Aas“: „Werbung muss zum Träumen anregen, nicht zum Denken – Denken obliegt dem Rezipienten von Nachrichtenmagazinen, denn dieser ist es gewöhnt, solche erschreckenden und skandalösen Bilder zu sehen.“

Wenn heute in Nachrichtenmagazinen hunderte skandalöse Reportagefotos veröffentlicht werden, verlieren die Botschaften der einzelnen ihre Sprengkraft. Sie sind nur noch nur noch eine unter vielen, die Spitze des Eisbergs, das Fotoalbum des tristen Alltags. Diese Art der Werbung ist nur so lange effizient, wie sie von nur einem Werbenden praktiziert wird und dieser vom enormen Wiedererkennungswert profitiert. Wird Schockwerbung zum medialen Massenphänomen, versagt sie. Denn wenn auf einmal entlang der Werbestraße alle Plakate blutverschmiert nach Aufmerksamkeit lechzen wird dies nur einen Effekt haben: Die Menschen werden mit geschlossenen Augen daran vorbeigehen – und träumen, nicht denken.

Hearts - März 1996

Hearts - März 1996

Eine der vielen Gemeinsamkeiten, die wir zwei Liebenden haben, ist die geteilte Leidenschaft zu gutem Essen. Und besonders lieben wir es, miteinander zu essen.

Sei es morgens beim Aufstehen, ein Baguette Rustique von Maison des Pains, dem besten Bäcker Frankreichs, dazu frischer Obstsalat. Sei es mittags, wenn ich in St. Pölle für meine Prinzessin den Kochlöffel schwinge. Sei es abends, wenn wir, natürlich nach stundenlangem Tennis spielen, den größten Hunger haben und uns gern noch was schönes gönnen.  Sei es nachts, wenn wir sturzbetrunken daheim ankommen und sich Stulle/Jause/Abendbrot, man nenne es wie man es wolle, als der einzige Weg zur Besserung herausstellt.

Neulich bei Lidl in Montpellier, da kauften wir uns einen Riesenbrownie. Bewusst deshalb, um die am Fahrrad verlorenen Kalorien am Strand wieder zurückzugewinnen! Als wir dann nach einer Stunde Treten am Strand lagen und uns unserem verdienten Paket widmen wollten, passierte die aufregende Situation, die mich letztendlich zu diesem Artikel inspirierte. Wir erkannten: Dörthe liebt das Innere des Schokoladebrownies, ich den Rand!

Worauf will ich jetzt hinaus?

“Sich lieben und verstehen ist selten und doch kann und wird wahre Liebe nur bestehen, wenn man sich gegenseitig versteht,” sagt uns Heinrich Martin. Als Prämisse für jede zwischenmenschliche Partnerschaft brauchen wir also ein Grundverständnis der Bedürfnisse und des Denkens des anderen. Wenn ich meine Leidenschaft schon nicht mit dem Partner teilen kann, dann muss ich ihr zumindest Toleranz entgegenbringen, sonst wird sie (langfristig gesehen) zum Streitpunkt in jeder Beziehung. Im optimalen Fall versteht man sich vollkommen: Man lebt selbst mit der Leidenschaft. Sehe ich diese These nun als einen essentiellen Punkt in den Ordnungen der Liebe, benenne ich sie folgend mit “Verständnis-Einigung”.

“Gegensätze ziehen sich an,” heißt es andererseits. Dies kann verschiedene Gründe haben: Etwa Neugier, die Sehnsucht etwas Neues kennen zu lernen, Erweiterung, den “Deckel für seinen Topf” zu finden, Kontrast, das Finden eines Gegenstückes, der umgangssprachlich “besseren Hälfte”. Das daoistische “Yin und Yang” zeigt uns, dass Harmonie nur dann entsteht, wenn ein perfekter Kontrast aus Licht und Schatten gegeben ist. Dieser weitere Punkt in den Ordnungen der Liebe wird von mir mit “Gegensatz-Ergänzung” benannt.

Was bedeutet nun Harmonie?

Kein Licht ohne Schatten, keine Aktion ohne Reaktion, kein Glück ohne Unglück, kein Frieden ohne Krieg, kein Leben ohne Sterben, keine Ordnung ohne Chaos, kein Diesseits ohne Jenseits, keine Liebe ohne Angst. Das Kennen von Kontrasten gilt als Prämisse für das Erkennen, Handeln und Erfahren jeglicher Situationen im Leben. Gebe es nur Licht und keinen Schatten, wüssten die Menschen auch nicht was Licht bedeutet. Gebe es im Leben nur die Liebe, wüsste man nicht was Angst ist und dadurch ebenfalls nicht, was Liebe bedeutet. Und dennoch müssen sich all diese Dinge um dieselbe Essenz drehen, auch wenn sie nicht das selbe Ziel verfolgen. Beide sind notwendig, um überhaupt erkannt zu werden. Ich schaffe die Ordnung um das Chaos zu beenden, den Tag und die Nacht, um das Leben überhaupt zu ermöglichen, die Aktion um die Reaktion hervorzurufen.

Hier vereinigen sich “Verständnis-Einigung” und “Gegensatz-Ergänzung”, wenn es um die Ordnungen der partnerschaftlichen Liebe geht und bilden auf der anderen Seite wieder einen Kontrast zu einander. Kein “Verständnis-Einigung” ohne “Gegensatz-Ergänzung”: Nur wenn es beides gibt entsteht Harmonie und kann Liebe bestehen.

Wir zwei Liebenden teilen die Leidenschaft zum Essen. Konkreter, wir wollen den Riesenbrownie: “Verständnis-Einigung”, wobei mir die Randstücke des Riesenbrownies lieber sind und sie die Mittelstücke bevorzugt: “Gegensatz-Ergänzung”. Würden wir die Hingabe zum Riesenbrownie nicht teilen gäbe es die Erkenntnis nicht, dass wir uns gerade hier durch Kontrast perfekt ergänzen. Gäbe es hier keinen Kontrast, würden wir beide nur den Brownie-Rand wollen, nicht die Mitte, würden wir uns in unserer Riesenbrownie-Leidenschaft blockieren und es käme zur Disharmonie.

Das Riesenbrownie-Gleichnis

Das Riesenbrownie-Gleichnis

Die Grafik stellt das “Yin Yang” aus dem Daoismus dar und steht für Kontrast und Balance. Im rechten Abschnitt dieses Zeichens befindet sich das “Hotu”-Symbol. Es stammt ebenfalls aus der chinesischen Philosophie und steht für “Yin Yang” in der Welt. Dieser Teil der Grafik bedeutet also “Gegensatz-Ergänzung”, während der linke Teil für “Verständnis-Einigung” steht.

Das Leben, dein Handy und du - Vom Handywahnsinn einer neuen Gesellschaft 

Bereits deine Geburt wird von deinem Vater live mit seinem Kamera-Handy verfilmt und in den darauf folgenden Jahren entsteht aus der Euphorie deiner Eltern ein digitales Fotoalbum. In der Schule hast du ein unerwartet tiefes Verlangen, auch ein Handy zu besitzen, weil dich deine Schulfreunde sonst nicht respektieren oder gar erreichen könnten.

 Schnell entdeckst du deine Affinität zu deinem neuen Mediaphon: Auf Knopfdruck knipst du mit der Kamera die schrägsten Fotos, du brauchst keinen separaten Taschenrechner für den Mathe-Unterricht, keinen Kalender für deine Hausaufgaben und schon gar kein Adressbuch für deine 1256 Freunde.

Wenn du ein Teenager bist, brauchst du keinen MP3-Player mehr, der ist mittlerweile auch schon mit deinem Handy verschmolzen. Diesen nutzt du jetzt lautstark, wo auch immer du dich aufhältst. Damit du dich in deine Laut-mit-dem-Handy-Musik-hören-ist-geil-Clique integrieren kannst, identifizierst du dich in dieser wichtigen Entwicklungsphase besonders mit deinem Mobiltelefon.

Die mobile Nervensäge ist omnipräsent und stets im Einsatz. Sie verfolgt dich überall hin und du erkennst nicht, dass sie vom Kommunikationsmedium zu deinem Lebenselixier mutiert ist.

Dein klingelnder Compagnon ist nicht nur akustisch, sondern auch optisch deiner Persönlichkeit angepasst. Leider behindert die eine oder andere SMS auch deine (non)verbale Ausdrucksfähigkeit und dein logisches Denkvermögen, welche gemeinsam mit deinen Schulnoten in den Keller stürzen. Nun ist deine soziale Entwicklung gefährdet, denn dich interessieren auch keine Gesellschaftsspiele mehr, die kannst du nämlich im Internet herunterladen und allein spielen – zumindest so lange, bis du eine Handyrechnung über mehrere hundert Euro bekommst, die deine Eltern zahlen müssen und dich deswegen auf die Straße setzen.

Um deinen psychischen Stress kompensieren zu können, beginnst du, fremde Menschen auf der Straße zu filmen und deine Werke auf YouTube zu stellen. Weil du immer bessere Filme drehen möchtest, benötigst du modernere Kamera-Handys und besorgst sie dir einfach aus fremden Taschen.

Leider fliegt alles auf, du landest im Gefängnis, dein Handy wird konfisziert und nachts träumst du hinter den Gitterstäben vom GSM-Schlaraffenland.

Wenn du mit 32 wieder auf freiem Fuß bist, startest du endlich deine Karriere als Verkäufer in einem Mobilfunkshop. Dort gibt’s alle Jubeljahre ein Bonus-Handy. Super-Motivation, denkst du dir und bist von nun an rund um die Uhr für deinen Chef telefonisch erreichbar und widmest dein Leben deiner Handysammlung.

Wenn du dann auf dem Sterbebett liegst und deine Enkel auf ihren Smartphones Bomberman spielen und der Rest der Familie heimlich SMS und E-Mails mit ihren Blackberrys verschickt, denkst du dir: Ich hoffe im Jenseits funktionieren die WAP-Verbindungen auch.

Glück ist… 
…das Ziel unserer Hoffnungen und geheimen Wünsche. 
…ein einmaliger Zustand von dem wir ab und zu ein kleines Stückchen abhaben dürfen. 
…in ein warmes knuspriges Croissant beißen. 
…ein plötzliches Geschenk von einem Freund – ohne Geburtstag zu haben. 
…der Geruch von frischem Brot, Kuchen oder Keksen. 
…ein gemustertes Blatt. 
…Zeit zu haben für unwichtige Dinge. 
…Morgentau und kalte frische Luft einatmen. 
…barfuß im Morgentau über eine Wiese laufen. 
…Linsen durch die Hand rieseln lassen. 
…eine neue Tasche. 
…ein neues fremdes Land entdecken. 
…der blaue Himmel, das wilde Meer und der kleine Schmetterling. 
…wie in Kindertagen durch das Herbstlaub wandern, tief einatmen, es rascheln hören und dabei Kastanien sammeln. 
…lesen und dabei in andere Welten abtauchen. 
…eine nette Email von einem Freund. 
…das schöne Gefühl, ausgeschlafen aufzuwachen. 
…eine innere Stimme. 
…wenn du nie allein sein musst. 
…wenn du nie frieren musst, weil immer jemand da ist, der dich wärmt. 
…wenn jemand deine Ängste wegpustet. 
…Freundschaft. 
…”wenn der Seiltänzer deiner Seele das Gleichgewicht verliert und im Wind deiner Gefühle schwebt.” 
…der erste Morgen, der nach Frühling riecht. 
…der erste Morgen, der nach Sommer riecht. 
…der erste Morgen nach einem langen heißen Sommer, der so richtig nach Herbst riecht. 
…der erste Morgen, der ganz ohne Zweifel nach Schnee riecht. 
…mit einem Babyfuß im Gesicht aufwachen. 
…Sonne, die an einem warmen Frühlingsmorgen durchs Fenster scheint. 
…nach dem Weckerklingeln noch einige Minuten weiterschlafen. 
…und schließlich doch nicht verschlafen. 
…frühstücken im Bett. 
…ein großer Milchkaffee am Morgen. 
…mit cremigem Milchschaum. 
…unverplante Sonntage. 
…beim Lesen laut lachen müssen. 
…ein gültiger Fahrschein während einer Fahrscheinkontrolle. 
…endlich mal sofort die richtige Antwort zu haben, wenn einem jemand blöd kommt. 
…und nicht erst Stunden später. 
…Tagträume. 
…der Geruch von Regen auf sommerheißem Asphalt. 
…im Auto laute Musik hören. 
…allein und laut mitsingend. 
…auf einer völlig leeren vierspurigen Autobahn. 
…aufs Klo dürfen, wenn man eine Stunde lang einen Parkplatz gesucht hat. 
…eine heiße Badewanne, wenn man schon den ganzen Tag kalte Füße hatte.
…baden mit Kerzenlicht.
…absolute Stille. 
…Schokolade.
…grundlos lachen. 
…die älteste Lieblingsjeans.
…wenn beim Einkauf die Hose auf Anhieb passt. 
…der Lieblingspulli. 
…den Inhalt eines Überraschungs-Eis ruhig, zügig und fehlerfrei zusammenbauen. 
…eine Woche nach dem Friseurbesuch feststellen, dass der neue Haarschnitt doch der perfekte ist. 
…Überraschungsgäste. 
…Gespräche, die mit „weißt du noch, als wir…“ anfangen. 
…beim Aufräumen etwas aus der Kindheit finden und sich zurückerinnern. 

…To-Do-Listen abhaken.
…ein altes Foto wiederfinden, nach dem man lange gesucht hat. 
…Erinnerungen, die uns zum Lächeln bringen. 
…ein paar Menschen zu haben, denen es immer richtig gut gehen soll. 
…Menschen, die man liebt, beobachten. 
…den Vater beobachten, weil er der beste Vater von allen ist. 
…wenn jemand sagt: „Danke, ohne dich hätte ich das nie geschafft.“ 
…Komplimente. 
…von fremden Menschen angelächelt werden, ohne selbst gelächelt zu haben. 
…plötzlich einen Duft wahrnehmen, der einen an Kindertage erinnert oder an eine liebe Person.

…abends durch die Stadt gehen auf dem Weg zu dem Menschen, in den man sich gerade verliebt hat. 

…der erste Kuss am Anfang einer neuen Liebe. 
…ein Kuss, auf den man lange gewartet hat. 
…im Schlafanzug auf dem Sofa fernsehen. 
…frisch aufgezogene Bettwäsche. 
…bei Regen im warmen Zimmer zu sitzen und Schokolade zu trinken. 
…der Abend vor dem Urlaub. 
…im Urlaub das erste Mal ins Meer springen. 
…spontan in den Urlaub fahren oder wenigstens für ein Wochenende.
…und barfuß laufen am Strand. 
…auf warmem Sand liegen und in den Himmel gucken. 
…der Geruch von Dünengras. 
…der Geruch von frisch gemähten Rasen. 
…in der Abenddämmerung auf einem Bootssteg sitzen. 
…Sommerfeste, die noch bis in die laue Nacht dauern. 
…tanzen, bis das Denken aufhört. 
…Musik, die allen anderen peinlich ist. 
…Vollmond. 
…wenn man in einer Winternacht aus dem Fenster sieht und feststellt, dass der erste Schnee des Jahres gefallen ist. 
…die letzte Zigarette, die man weit nach Mitternacht, und lange nachdem man die Hoffnung schon aufgegeben hatte, doch noch in der rechten Außentasche des Jackets im Kleiderschrank findet. 
…zu wissen, dass man nicht nur Mist gebaut hat im Leben. 
…das Gefühl, dass das Leben erst losgeht. 
…zu merken, wie man einschläft. 

…umschlungen zu zweit einschlafen.
…mit den Blumen reden. 
…morgens vom Wecker und nicht von Bomben geweckt zu werden.

Aufbruch und Fernweh. Beides kämpft in mir um meine Gunst und vereinigt sich doch letztendlich.

Ich weiß nicht wo ich stehe. Ich weiß nicht wo es hin gehen soll. In mir macht sich eine undefinierbare Sehnsucht breit. Wohin? Wie weit? Wie lange? Und vor allem: was? Ich weiß nur, dass ich weg will… raus aus dieser Stadt, weg von diesen Menschen, von dieser Intoleranz, von dieser Dummheit, von diesen Intrigen, der Missgunst und all den Oberflächlichkeiten.

Doch können wir Menschenkinder nicht ohne einander. In der Zivilisation möchte ich bleiben. Aber welche genau ist die richtige? In welcher kann ich mein Glück finden? Welcher Kontinent verspricht Freiheit in allem was man tut, was man macht, was man sagt… wo liegt dieser Ort, an dem ich das finde was mein Herz und mein Verstand verlangen? Wo das vollkommene Ich akzeptiert und gefordert wird? Wo die Menschen in der selben Liga spielen? Wo das Leben nicht anstrengend ist, wo man die täglichen kommunikativen Strapazen und Launen nicht auf sich zu nehmen braucht. Wo man kein schlechtes Gewissen haben braucht bei allem was man sagt, tut, denkt…. Wo man das aussprechen darf was man denkt, wie man dazu kommt, dass man so denkt wie man denkt, warum man überhaupt denkt… über wichtige, nichtige, große, kleine, bittere, heitere Dinge… wo nicht darüber nachgedacht wird ob und worüber man überhaupt denken sollte.

Wo kein Neid herrscht, keine Missgunst, kein Ekel, Hass, Gewalt, Angst, Trauer, negativer Einfluss,… wo das Team im Mittelpunkt steht, nicht der Einzelne, das Gesamtspiel Einzelner, wo niemand an seinen Vorteil glaubt, sondern jeder für jeden einsteht ohne Rücksicht auf Verluste. Wo nicht nur geredet, sondern auch gehandelt wird. Wo unerreichbare Ziele Wirklichkeit werden. Wo niemand zurück bleibt, niemand schnelleren Schrittes voran schreitet, alle an einem Strang ziehen. Wo auftretende Probleme Herausforderungen sind, an denen man nicht scheitert sondern wächst. Wo der andere den anderen und sich selbst niemals egal ist. Wo Gesagtes nicht persönlich genommen wird. Wo Enttäuschung ein Fremdwort ist. Wo es keine verdorbenen und verlorenen Seelen gibt.

Die Unwissenden zu den Nicht-Interessierten. Die Nachdenklichen zu den Philosophen. Die Oberflächlichen zu den Puppen. Und die Unentschlossenen? In welche Schublade kann man mich stecken? Ich würde so gern in eine hinein passen. Vieles wäre wesentlich leichter zu ertragen.

Der eigene Tellerrand wäre sichtbar. Wie schön wäre solch ein Tellerrand an dem ich mich festhalten könnte. Ich wüsste, es gäbe eine Grenze, ein Ziel, einen Halt… was sich dahinter befindet, wäre egal, man hätte kein Interesse daran weil der Horizont begrenzt wäre. Es gäbe ein Ende.

Alles ist offen. Es gibt keine Grenzen. Die Realität ist anders. Es gibt immer einen Weg. Nur stellt sich mir abermals die Frage: wo beginnt er und wo führt er mich hin?